Diesen Artikelhabe ich am 3. August 2005 unter http://www.zimtkorn.ch veröffentlicht im Blog. Ich kann auch heute noch den meisten Ansichten zustimmen und finde ihn wenn auch gewagt, zutreffend.

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Studenten und Unternehmertum

// Philippe – 03.08.2005 19:40

Trotz aller venturelab Initiativen, ETH Spinn Offs und anderen Success Stories von Gründungen ab der Universität, bin ich skeptisch über die Kontinuität und Nachhaltigkeit von Studenten betriebenen Jungunternehmungen. Gerade wieder gründeten einige uns bekannte Studenten eine GmbH im Internetbereich, befragt nach deren Zielen antworteten Sie „Unser Ziel ist es im ersten Jahr 100 000 Fr. Umsatz zu machen.“ So Geil denke ich! Wieder mal ein paar Studies, die das Gefühl haben, so nebenbei neben der akademischen Aufmunterung das neue Microsoft zu gründen. „Unternehmer sein ist schliesslich cool und eignet sich als Nebenbetätigung, quasi als Hobby, zudem zieht es bei den Chicks im Ausgang.“ Wobei ich letztes nicht bestätigen kann, Unternehmer sein hat in meinem Fall noch nie bei den Chicks gewirkt. Keine Frage, irgendwann muss man anfangen und das meistens ohne die geringste Ahnung, was es denn nun genau bedeutet Unternehmer zu sein – so haben auch wir angefangen. Man kauft sich IKEA Tische und hat eine riesen Freude diese zusammen zu setzen. Man ist voller Enthusiasmus, man stellt sich all die Möglichkeiten vor, welche sich anerbieten: unendlicher Reichtum, die Möglichkeit schnell zu wachsen, die Insel, die Chicks und alles was dazu gehört. Am Anfang ist es auch noch voll easy, jeweils ein paar Spätschichten zu schieben und den Feierabend zeremoniell um 2.00 morgens einzuläuten, danach gleich weiter noch ins Trischli in den Ausgang zu gehen und am nächsten Morgen die Vorlesungen zu streichen und um 8.00 wieder im Büro anzutreten. Das ist geil, ne coole Zeit unter dem Gründungsteam schon meist eine geile Aufbruchsstimmung. Am Anfang ist es auch noch easy sich von Pizzaresten, Kebabs (mit Vergünstigung durch Memberkarten) und Mc Donalds zu ernähren, nein es ist ja sogar noch cool und gehört zum Lifestyle eines richtigen Part time Jungunternehmers. Opportunitätskosten sind ein Fremdwort in dieser Zeit, schliesslich lebt man von der Vision einer erfolgreichen Zukunft. Würde man die spärlichen verdienten Franken auf einen Stundenlohn berechnen, kommt man vielleicht auf 5 Fr. pro Stunde, man kann sich X-Ferien gleich einmal streichen, man kann den Freunden im privaten Umkreis ausrichten, dass man in der nächsten Zeit eh keine Zeit hat, schliesslich sei man mit dem bedeutsamen Aufbau einer Unternehmung im Internetbereich betraut. Dann macht man ein paar schöne Offerten und wenn man dann quasi à la Pitch noch merkt, dass es irgendeine Unternehmung gibt, welche günstiger ist, nimmt man den eigentlichen Publikumsjoker eines jeden Part Time (Studenten)Jungunternehmers: den zu verrechnenden Preis. Fernab jeder betriebswirtschaftlicher Logik unterbietet man sich im Preis, mit Stundenansätzen eines Gymnasiasten. Aber dennoch „viva la revolution“! Auch Bill Gates musste klein anfangen. Die „Möchte-Gern-Studenten-Hobby-Unternehmer“ suchen sich dann meistens auch noch die geilsten Branchen aus: Branchen, welche eine tiefe Eintrittsschwelle haben, sprich wenig Kapitalintensiv sind und meistens extrem kompetitiv. Kunden sind dann meistens irgendwelche komischen KMU`s, die sich um ehrlich zu sein, auch nur die günstigste Lösung leisten können. Ich differenziere zwischen folgenden Jungunternehmerarten:

1) „Ich gründe eine Unternehmung, um mir einen Nebenverdienst zu sichern.“ Anstatt bei Mc Donalds anzuheuern, gründet man lieber irgendeine komische Unternehmung, die irgendetwas macht mit Internet. (Keine Sau interessiert was genau.)

2) „CV Boosting für die ganz ambitionierten“. Da gibt es eben auch noch diesen Typus: die ganz ambitionierten, welche sich innerlich schon bei einer grossen Company als CEO sehen, aber das Gefühl haben, es mache sich gut, wenn man ein bisschen „unternehmerischen Spirit“ aufzeigen kann im Lebenslauf.

3) „Ich bin Unternehmer, fange aber zuerst mal als Manager in einer Grossunternehmung an.“ Das sind dann die heimlichen Unternehmer, welche eigentlich gerne Unternehmer wären, es aber nicht sind, dann zu einer grossen Unternehmung gehen und dort nebst der sexuellen Frustration immer heimliche Unternehmer bleiben werden.

Liebe Kommilitonen, bitte denkt daran, es gibt einen riesigen Unterschied, zwischen nebenbei ein bisschen Unternehmertum Luft zu schnuppern und effektiv Jungunternehmer zu sein. Bitte denkt daran, dass ein Umsatz von 100 000 Fr. in den wenigsten Fällen nachhaltig sein kann und das ihr nach 5 Jahren unternehmerischen Tätigkeit auch nicht mehr jeden Tag bis um 2.00 arbeiten könnt. Opportunitätskosten spielen dann irgendwann mal eine bedeutende Rolle, spätestens dann, wenn das Studium zu Ende ist. Dann wird Euer Team zusammenfallen, ihr werdet Eure geile GmbH entweder liquidieren oder als kleines unbedeutendes Ding bestehen lassen. Von den Erfahrungen her ist es alle Mal besser als ein Mc Donalds Job, eine grundlegende Bescheidenheit und Realitätsbezug schadet aber von mir aus gesehen, keinem der angehenden Jungunternehmer.

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