Willis Kochbuch für kreative Finanzierungsvarianten, Blog Beitrag zimtkorn blog, 10. August 2005

Big Willi möchte nun einmal von seinen Erfahrungen im Wirtschaftsdschungel der kreativen Finanzierungsvarianten erzählen. Man glaubt es nicht, aber Unternehmer kommen teilweise auf sehr kreative Finanzierungsvarianten, insbesondere dann wenn es um ihr überleben geht. Gleichzeitig sind die von mir beschriebenen Finanzierungsvarianten im Wirtschaftsleben keine Seltenheit, sondern gerade heute ein alltäglicher Bestandteil des „daily business“ – das sollte einem zu Denken geben.

 

Folgende kreativen Finanzierungsvarianten sind mir speziell aufgefallen:

1) „Pimp my Kreditorenfrist ad extremum“ – Diverse Online Shops finanzieren sich fast ausschliesslich von einem hohen Lagerumschlag, einem Zahlungsziel im BtoC Bereich von 15 Tagen und einer Bezahlung der Lieferantenrechnungen innert 30 Tagen und mehr. Aber auch diverse KMU`s und so gar die ganz grossen Fische finanzieren sich teilweise mit Kreditorenfristen von teilweise 90 Tagen, da will dann eigentlich niemand Debitor sein, aber in der heutigen Wirtschaftslage ist man auf jeden Auftrag angewiesen, die wenigsten können es sich noch erlauben hier eine sinnvolle Auswahl zu treffen. „Moskau Inkasso“ lässt grüssen! Das Problem ist dann hier aber ein eigentlicher Teufelskreis – wenn sich ein paar KMU`s so finanzieren, zieht das weitere Unternehmungen in den Teufelskreis dieser Finanzierungsvariante und so weiter. Begünstigt wird hier in der Schweiz dies vor allem durch die Gesetzgebung, Schuldner geniessen in der Schweiz eine sehr angenehme Situation. Erfahrungsgemäss braucht es sehr viel, bis überhaupt eine Betreibung erfolgt, solange die Hoffnung auf Begleichung der Schuld besteht. Was für Dimensionen das annehmen kann: glaubt mir das sind riesen Dimensionen!

2) „Mit WIR gibt’s mindestens noch ein Bier“ – das Bier braucht man dann, um über den Frust hinweg zu kommen. Hei ehrlich, nichts gegen WIR Zahlungen, aber die meisten Leute die ich kenne, hätten eigentlich am liebsten Cash, bekommen dann aber auch noch ein paar Franken in WIR ausbezahlt, dann hat man diese Dinger und weiss nicht so recht was man damit machen kann. Wenigstens gibt es im Berner Oberland gleich einige Unternehmungen die inzwischen „100 % WIR“ Zahlungen entgegen nehmen. Ich kenne Unternehmer die teilweise über 250 000 Fr. in WIR angesammelt hatten, am besten baut man dann irgendetwas, um es dann an die Handwerker weiter zu geben. Was man baut spielt dann auch nicht mehr so ne Rolle, die Hauptsache man kann diese Dinger einigermassen verwerten.

3) Finanzierung über die „goldene Kreditkarte“ – Ja, ihr habt richtig gehört. Die bisher krasseste Finanzierungsidee und gleichzeitig die dümmste war die von mir als „golden credit card“ bezeichnete Finanzierungsvariante. Man nehme seine Kreditkarte, natürlich unternehmerkonform mit einer Limite von mehreren 10 000 Fr. (natürlich noch aus den guten unternehmerischen Zeiten) und überziehe die mal bis zum Limit. Bei grösseren Betrieben reicht das dann meistens nur für eine Liquiditätsüberbrückung, aber immerhin! In Kombination mit Variante 1) und 2) kommt man so schon ohne jede Bank zurecht.

4) „Wir feiern Jubiläum, mal präventiv jedes Jahr“ – schön ist es, wenn es wieder einmal ein Jubiläum zu feiern gibt. Ein Jubiläum ist immer gut, kurbelt den Umsatz an, verbreitet gute Stimmung auch unter den Gläubigern. Also, wenn es mal wirklich den wirklich mal nicht so geht, feiere ein Jubiläum – ist auch egal was für eines, die Hauptsache ein Grund zum Feiern.

5) Eine weitere aber eine mir extrem unsympathische Finanzierungsvariante hatte ein uns bekannter nicht erfolgreicher Unternehmer. Der finanzierte seine nicht erfolgreiche unternehmerische Karriere durch die Variante 1), 2) und 3). Zusätzlich wandelte er dann jeweils noch die Ansprüche seiner Kreditoren in Eigenkapital um, so brutal schlechten Konditionen. Das sind dann jeweils die Fälle von unglücklichen Aktionären, welche unfreiwillig anstatt Geld Anteile an irgend so einer dubiosen Firma bekommen haben. Als dann alles nicht funktioniert hat, liess er dann seine Unternehmung Konkurs gehen und gründete eine Nachfolgegesellschaft mit der genau gleichen Firma (im jur. Sinne) mit dem Zusatz (Int.). Alles auf Kosten der Kreditoren. Danach meldete er sich als arbeitslos an und er bezog während Jahren Arbeitslosengelder, obwohl er eigentlich immer noch daran war, seine nicht erfolgsversprechenden unternehmerischen Ziele zu verfolgen. Das regt einem auf! Solche Menschen versuchen dann mittels kleinen Teilzahlungen und Visionen die Kreditoren trotz allem bei der Stange zu behalten, solche schwarzen Schaffe verurteile ich klar und distanziere mich auch klar von deren Finanzierungsvarianten.

6) Und dann noch zu guter letzt: „Lohnverzicht als Finanzierungsvariante“. Es gibt zahlreiche Unternehmungen, welche sich via Lohnverzicht der Gesellschafter finanzieren. Insbesondere Jungunternehmungen finanzieren sich so teilweise ganz (dann vor allem im tertiären Sektor) oder zumindest teilweise. Aus meiner Sicht kann es sich dabei aber höchstens um eine kurzfristige „Anschubfinanzierung“ handeln, denn mittel- bis langfristig braucht jedermann einen minimalen Lohn zum Überleben. Aber auch da habe ich schon alles erlebt: von Monatslöhnen auf der Basis 100 Fr. bis „New Economy Style“ Entschädigungen nach dem Motto, „wir habens und geben es auch aus“.

 

Ich möchte an dieser Stelle noch betonen: ich finde diese Finanzierungsvarianten nicht speziell gut. Alle der erwähnten Finanzierungsvarianten sind mir aber aus eigener Erfahrung bekannt, leider meistens aus der Perspektive des Kreditors. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass andere Menschen nicht die gleichen Fehler wie ich machen werden.

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