Bödelibad – Rekapitulation

Im Herbst 2005 setzte ich mich mit der Thematik „Bödelibad“ auseinander und versuchte mich beim Verwaltungsrat des Bödelibades sowie auch politisch aktiv ein zu bringen. Am 15. November 2005 erschien dann in der Jungfrau Zeitung ein Interview bzw. Streitgespräch zwischen Verwaltungsräten des Bödelibades sowie mir als deren Kontrahent. Ich selber war vor allem der Ansicht, dass man Alternativen für die Gesamtanlage und den Fitnessbereich aus der Privatwirtschaft prüfen sollte und war der Meinung, dass die über 10 Jahre geforderten Subventionen von 6.2 Mio. Fr. verschenkte Steuergelder sind. Dazu erschien dann ebenfalls im November 2005 folgende Karikatur in der Jungfrau Zeitung. Ich forderte insbesondere eine „Submission“, also öffentliche Ausschreibung, damit private Anbieter auch eine Offerte oder ein Nutzungskonzept hätten erstellen können für das Betreiben der Gesamtanlage. Im Herbst und Winter 2005 haben dann die Abstimmungen in den Gemeinden Unterseen, Interlaken und Matten stattgefunden – im Verwaltungsrat des Bödelibads sitzten u.a. auch Gemeinderäte und von daher erstaunte es nicht, dass alle politischen Parteien den Vorschlag der massiven Subvention des Bödelibades unterstützt haben. So fassten also alle Lokalparteien in allen Gemeinden eine „Ja Parole“ zum Subventionsvorschlag und damit ein „Nein“ für eine öffentliche Submission der 6.2 Mio. teuren Subvention der Anlage (das reimt sich schon fast). An der Gemeindeversammlung im Dezember 2005 in Matten (eine der involvierten Bödeli Gemeinden) nahmen gut 155 Stimmberechtigte teil (was recht gut ist, im Normallfall kommen nicht mehr als 100), meine Anträge wurden klar abgewiesen von den stimmberechtigten anwesenden Bürgern. Die Urnenabstimmungen in den Gemeinden Interlaken und Unterseen im November 2005 fielen dann folgendermassen aus:
1) Interlaken, 1212 Stimmen für die Leistungsvereinbarung und 345 gegen die Leistungsvereinbarung
2) Unterseen, 1011 Stimmen für die Leistungsvereinbarung und 374 gegen die Leistungsvereinbarung

An der Gemeindeversammlung in Matten, meiner Wohngemeinde, wo ich aufgewachsen bin und meine Familie ein Haus besitzt, musste ich mir von einigen Mitbürgen/Gemeinderäten einige verbale Angriffe unter der „Gürtellinie“ gefallen lassen. Dies obschon ich von Anfang an betont habe, dass ich Verwaltungsratspräsident der Go Sports AG bin und meinen Interessenskonflikt offenlege und hier vor allem als „Stimmbürger mit Branchenkentniss“ argumentiere. Nun gut, die ganze Sache hat mir viel zu denken gegeben, vor allem die persönlichen Angriffe. Zumindest habe ich eine öffentliche Diskussion über ein wichtiges Thema entfacht und hei: 155 Stimmberechtigte an einer Gemeindeversammlung in Matten ist ja nicht schlecht, oder? Einige „Gespräche“ unter vier Augen mit Vertretern des Verwaltungsrates des Bödelibads möchte ich an dieser Stelle gar nicht erwähnen, auch wenn diese zusätzlich noch Sprengstoff bieten würden. Nun wusste ich also im Dezember 2005, dass ich politisch gesehen eine massive Niederlage erlitten habe. Auf der anderen Seite wusste ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt Wochenaufenthalter in St. Gallen war, 100 % in meiner Firma in Zürich/St. Gallen gearbeitet hatte und dazu noch mein Studium fertig gemacht habe. Sprich ich konnte während der heissen Phase des Abstimmungskampfes gar nicht immer auf dem Bödeli vor Ort sein (schlechte Voraussetzung für einen Abstimmungskampf). Zudem konnte ich mir ausrechnen, dass wenn alle politischen Parteien eine Ja Parole rausgeben, es sehr schwierig sein wird, politisch zu gewinnen.

Nun, fast zwei Jahre später, lese ich in der Jungfrau Zeitung, dass sich das Bödelibad aus dem „Fitness- und Kurswesen“ zurück zieht und ihre Anlage an einen privaten Anbieter vermietet. Nun könnte man meinen, dass die Verwaltungsräte des Bödelibades auch die Go Sports AG als möglichen Interessenten zumindest formell anfragen, ob Sie Interesse hätten, die Fitnessanlage des Bödelibades zu mieten. Wir haben als Go Sports AG zu keinem Zeitpunkt eine solche Anfrage erhalten! Aus Sicht des Bödelibades hätte man zumindest formell mehrere Anbieter prüfen können und den Marktleader (Go Sports AG) zumindest anfragen können.

In der freien Marktwirtschaft haben wir mit der Go Sports AG bewiesen, dass unsere Marktanalysen und Konzepte funktionieren, wir haben wirtschaftlichen Erfolg und einen überdurchschnittlich hohen Marktanteil. Dies kann man vom Bödelibad leider nicht behaupten, der wirtschaftliche Erfolg des für mehrere Millionen (3.3 Mio. Fr.) in eine Multifunktionsanlage (Wellness, Fitness, Hallenbad etc.) ausgebauten Bödelibades ist ausgeglieben. Rechnet man alle öffentlichen Gelder zusammen, welche bisher ins Bödelibad geflossen sind, kommt man auf einen zweistelligen Millionenbetrag. „Aus heutiger Sicht hätte man einiges anders machen sollten“ und „Wir können uns nun auf das Kerngeschäft, den Wassersport, und auf die anstehende Gebäude und Techniksanierung konzentrieren“ liest man den in diesem Jungfrau Zeitung Bericht.

Ich behaupte nicht, dass man den gesamten Betrag hätte einsparen können, denn es ist schwierig ein Hallenbad zu betreiben. Aber man hätte zumindest einen Millionenbetrag einsparen können, davon bin ich überzeugt. Der angemessene und intelligente Umgang mit Steuergeldern finde ich noch heute ein ausserordentlich wichtiges Thema – auf nationaler Ebene könnte man den Fall „SWISS – SWISSAIR“ erwähnen, auch hier stellt man als Zuhörer viele Unregelmässigkeiten fest.

Dieser Text dient meiner ganz persönlichen Rekapitulation – ich möchte damit nicht eine unternehmerische oder politische Leistung von einer Person kritisieren. Ich möchte mich auch nicht selber damit loben – man kann aber aus allem etwas Lernen und das Gelernte für die Zukunft einsetzten, sei es nun in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Sektor.

Ich hoffe, dass der Ausbau des Kongresszentrums in Interlaken für 25 Mio. Fr. nicht zu einem zweiten Bödelibad wird. Beiliegend ein interessanter Kommentar dazu in der Jungfrau Zeitung.