„Jeder zweite Nationalrat lebt vom Staat“ – Kommentar von Beat Kappeler NZZ am Sonntag

In der heutigen Ausgabe der NZZ am Sonntag kann man im Wirtschaftsteil im Kommentar von Beat Kappeler nachlesen, dass jeder zweite Nationalrat vom Staat lebt. Noch schlimmer: auch auf kantonaler Ebene in den Kantons bzw. Grossräten ist die Situation nicht besser. Von einem Milizparlament kann laut Beat Kappeler keine Rede mehr sein, er schreibt in seinem Artikel „Die Hälfte der Mitglieder des Nationalrates verdanken ihre wirtschaftliche Existenz dem Staat“.

Nun eigentlich ist es ja sehr positiv, dass wir offensichtlich kein Milizparlament haben, sondern zahlreiche Mitglieder, welche ihren Job „full time“ ausüben. Ein markant grosser Teil der erwähnten Politikergilde ist Bauer von Beruf, dementsprechend so oder so von Subventionen abhängig. Ein anderer markanter Teil ist entweder Architekt oder in der Baubranche tätig (dort gibt es sowohl national, wie kantonal oder kommunal lukrative Aufträge in der Politik zu holen). Oder dann gibt es noch die Lehrergilde, welche so oder so ihr Brotkorb vom Staat bekommen. Es lebe die Staatsquote! Umso höher umso besser! Es leben die Subventionen!

Ja, auch auf kommunaler Ebene in Berner Oberland haben wir dieses Problem, viele Architekten engagieren sich politisch (die geistige Elite der Region). Aufgrund des Brain Drains, sind es ja oft gerade Architekten neben den paar Ärzten und Anwälten, welche noch in der Region leben und zur geistigen Elite gehören.  Alle anderen wandern aus in die grösseren Städte und können so auch politisch nicht wirklich „mitwirken“ in ihrer Heimat, dadurch entsteht eine einseitig ausgerichtete Gesellschaft und die paar wenigen die sich darüber stören, bleiben einsame Menschen. Ganz nach dem Motto „Stadtluft macht frei“.

In einer kleinen Region muss man so oder so Rücksicht nehmen auf die zahlreichen unterschiedlichen Seilschaften, welche existieren und teilweise sogar auf Verwandtschaften.

Unter diesen Umständen kann man folgendes feststellen: wer will schon die Staatsquote reduzieren? Viel besser ist doch dafür zu schauen, dass man vom bestehenden „Kuchen“ möglichst viel abbekommt, die „Verteilungsparty“ hat begonnen! Bauen wir als Schweiz möglichst viele Schulhäuser, bauen irgendwelche Kongresszentren und betreiben X- Hallenbäder und betreiben irgendwelche Fluggesellschaften – wir können Stolz sagen, dass sich die Schweizer Politik und Staat auf seine „Kernkompetenz“ fokussiert. Es lebe die Staatsquote!

Nur damit ich nicht falsch zitiert werde: 1) ich bin sehr stark für eine Reduktion der Staatsquote, 2) bin ich gegen irgendwelche Seilschaften sowohl kommunal, kantonal wie auch national, 3) finde ich den Kommentar von Beat Kappeler nicht lustig, sondern der gibt mir zu denken, 4) habe ich bewusst den oben erwähnten Unterton im Text erwähnt

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